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Weniger kann so viel mehr sein

Datum: 02.10.2007

Die Ron Spielman Acoustic Band berührt und begeistert in der Bischofsmühle

Von Claus Kohlmann
HILDESHEIM. Ron Spielman ist viel mehr als das, was sein Nachname suggerieren mag. Bezeichnete man den in Berlin lebenden Musiker als Spielmann, rückte man ihn aus heutiger Sicht unberechtigterweise in die Nähe des „normalen“ Singer/Songwriter-Umfeldes. Das wiederum griffe meilenweit zu kurz. Ohne gerade erwähntes Genre unterbewerten zu wollen – schließlich haben in der Bischofsmühle schon viele deutsche Singer/Songwirter hervorragende Konzerte gegeben –, bedient sich Ron Spielman eines Stils, der nicht zu fassen ist. Und das ist an dieser Stelle wörtlich gemeint.

An diesem Abend, da das Wasser so hoch in der Kanustrecke stand, dass die Musiker beim Soundcheck schon etwas ängstlich durch die tief liegenden Fenster blickten, gab es auf der Bühne eines der besten Konzerte, die der Cyclus bisher im Programm hatte. Auch das ist wörtlich gemeint, floss es doch so selbstverständlich dahin wie die Innerste draußen. Ebenso wenig konnte man sich dem Sog entziehen, den das Quintett beim Konzert zur neuen CD „Hilltop Garden“ auf der Bühne aufbaute. Das beste Zeichen für diese Stimmung war die absolute Stille beim Publikum, das atemlos nach jedem Song wartete, bis auch die letzte kleine  chwingung den Raum verlassen hatte, erst dann spendeten die Zuhörer tosend Applaus.

Aber was machte „der Typ da auf der Bühne“ (Spielman über sich selbst) zusammen mit seinen Musikern denn nun wirklich? Spielman (Akustikgitarre, Gesang), Werner Goldbach (Klavier, Rhodes), Jo Ambros (Gitarren, Effekte), Markus Bodenseh (Kontrabass) und Michael Kersting (Schlagzeug) zeigten in erster Linie, was es heißt, wenn Musik berührt. Wenn man sich einfach nur zurücklehnen und genießen kann. Und zwischendurch süffisant schmunzeln, wenn interessante Wendungen den Song besonders machen.

Das, was tiefer lag und die Wirkung dieser Band und ihrer Musik ausmachte, war aber das schier unglaubliche Zusammenspiel nicht nur der Musiker selbst, sondern das Zusammenspiel zwischen Arrangement und Sound. Jeder, der selber Musik macht und schreibt, sollte sich unbedingt diese Musik besorgen: Sie ist ein Lehrstück dafür, wie das Sich-Zurücknehmen jedes Musikers im Endergebnis eine Bereicherung ist.

Kompakt und doch offen und durchsichtig klang die Band. An dieser Stelle ist ein Kompliment an den Mischer fällig, da er das, was auf der Bühne entstand, geschmackvoll in den Raum zu bringen verstand. So vielfältig die Stücke und stilistischen Einflüsse waren, so breit gefächert war die dynamische Bandbreite der Formation. Dezent rollend, funkig groovend, balladesk streichelnd und hymnisch rockend, all dies fand sich wieder und machte das Konzert so abwechslungsreich und kurzweilig. Für noch mehr Unterhaltung sorgten die lockeren Ansagen Spielmans, der nicht nur Geschichten zu den Songs erzählte, sondern auch einfach mal sympathisch drauflosquatschte.

Ein Zeichen dafür, dass er und seine Band mit dieser Musik auf der Bühne richtig entspannt sind, wie er erzählte. Auch mit seiner außergewöhnlichen Stimme versteht er es, in seinen Bann zu ziehen. Jeder auf der Bühne ist an seinem Instrument Meister seines Fachs, doch die wahre Meisterschaft in diesem Projekt besteht darin, dieses Können in den Dienst des Songs zu stellen. Und das gelang ausnahmslos. Jeder durfte sein Können in kurzen Soli aufblitzen lassen, ansonsten wirkten die Arrangements aber ganz für sich. E-Gitarre, Effekte, Akustikgitarre und Klavier oder Rhodes waren meist so ineinander verzahnt, dass ein Geflecht entstand, das ebenso dicht wie leicht wirkte.

So stand das Konzert dann doch im Kontrast zur reißenden und angeschwollenen Innerste, weil es deutlich vor Augen und Ohren führte, dass weniger tatsächlich manchmal mehr ist.